Beim normalen Zellabbau treten geringe Mengen des Zellinhalts, darunter auch Enzyme, ins Blut über, wo sie dann gemessen werden können. Viele Enzyme sind im Organismus nicht gleichmässig verteilt, sondern kommen in besonders hoher Konzentration oder sogar ausschliesslich in einzelnen Organen und Geweben vor. Steigt ihre Aktivität im Blut an, so weist dies auf Zellschäden in ihren Herkunftsorganen hin.
Die alkalische Phosphatase (ALP) beliefert wahrscheinlich Körperzellen mit anorganischem Phosphat für ihre Phosphorylierungsreaktionen. Die allgemeine Reaktion:
ALP
Phosphorsäureester + H2O <==============> Phosphat + Alkohol
Die ALP kommt in allen Geweben vor, gebunden an den Lipoproteinen der Plasmamembran. Die im Plasma vorkommende ALP liegt als Dimer vor und stammt hauptsächlich aus Leber, Gallenwege und Osteoblasten. ferner sind eventuell Plazenta-ALP, Keimzell-ALP, sowie höhermolekularen Formen (Makroenzyme: Leber-ALP komplexiert mit IgG) vorhanden.
Den Hauptanteil der Plasmaaktivität machen normalerweise zu gleichen Teilen die Knochen-ALP und die Leber-ALP aus. Etwa 10 % sind intestinale ALP, und bei schwangeren Frauen findet man ab dem 2. Trimester das plazentaspezifische Isoenzym. Keimzell-ALP kommt beim Gesunden nicht vor und ist ein Marker für Keimzelltumoren. Höhermolekulare Formen (Oligomere) werden bei Cholestase beobachtet.
Knochen-ALP, Leber-ALP und Nieren-ALP werden alle vom selben Gen codiert und unterscheiden sich durch die gewebsspezifische posttranslationelle Modifikation (Glycosylierung). Drei weitere Gene codieren für intestinale ALP, Plazenta-ALP und Keimzell-ALP. Die Isoenzyme können z. B. elektrophoretisch getrennt und separat bestimmt werden. Im ZLM bestimmen wir nur die Gesamt-ALP.
Bei Cholestase ist die ALP stark erhöht, bei extrahepatischer Cholestase stärker als bei intrahepatischer. Bei akuten Hepatitiden ist die ALP-Steigung nur leicht. Bei chronischen Hepatitiden kann ALP im Referenzbereich bleiben. Bei alkoholischen Hepatitiden sind sowohl ALP wie auch g-GT stark erhöht.
Bei primären oder sekundären Knochenerkrankungen kann ALP normal sein (Osteoporose, Akromegalie), mittelstark erhöht (Rachitis, Hyperparathyreoidismus) oder auch stark erhöht (Knochenmetastasen, M. Paget).
Im Kindergartenalter können Schübe von Erhöhungen der ALP auftreten, welche vermutlich mit dem Wachstum des Skelettsystems, oder auch mit viralen oder parasitären Infektionen zusammen hangen.
Eine Erniedrigung der ALP-Werte werden gefunden bei Anämie, v.a. bei Perniziosa, Hypothyreoidismus, Mangelernährung, Magnesiummangel und bei Kindern mit Achondroplasie oder Kretinismus oder nach schweren Enteritiden.
Halbwertszeiten: Knochen- und Leber-ALP 16 - 60 Std., intestinale-ALP 6 Stunden