Analysen­verzeichnis

Ammoniak

Stamminformationen

Analysenname
Ammoniak
Indikation
Leberkoma, Differenzialdiagnose komatöser Zustände, Abklärung von Hyperammonämiesyndromen
Suchbegriffe
engl. Ammonia, chem. Zeichen: NH3, NH4

Präanalytik

Material
EDTA, Monovette violett, 2.7ml
Bemerkungen

Patientenvorbereitung

Patient vorzugsweise nüchtern, Blutentnahme am ruhenden Patienten, nicht rauchen und keine körperliche Betätigung vor der Blutentnahme

Probeentnahme

Blutentnahme aus ungestauter Vene, Hämolyse vermeiden, Probenröhrchen möglichst vollständig füllen (max. 10% Luft), Probenröhrchen fest verschliessen, Probe unmittelbar nach der Entnahme zentrifugieren, Plasma abpipettieren und einfrieren.

Probenbehandlung

Probe unmittelbar nach der Entnahme zentrifugieren, Plasma abpipettieren und einfrieren.

Mindestvolumen
2 ml
Haltbarkeit / Lagerung
3d bei -20°C
Bemerkung Nachbestellung
nicht möglich
Medium
BildBezeichnungVolumenSAP NummerVerwendung
EDTA Monovette2.6 ml313201Allgemein

Ausführung

Institut / Labor
Auftragsformular
Klinische Chemie / Autoimmunität
Rubrik
Metabolite

Analytik

Methode
enzymatische Methode mit Glutamatdehydrogenase [Cobas pro c503]
Analysenfrequenz
täglich
Referenzbereich
Achtung! Hohe Konzentrationen um 300 ug/ml von Sulfasalazin bzw. Sulfapyridin interferieren mit der Messmethode (Absorption bei 340 nm) und können falsche Werte bedingen.

Referenzbereiche sind methodenabhängig. Massgebend sind die Angaben auf den Resultatformularen.

Messungenauigkeit < 5%.



Material
Alter
Referenzbereich
EDTA-Plasma
Frauen
11 - 51 mmol/l
Männer
16 - 60 mmol/l
Kinder: 0 - 6 Tage
7 Tage - 15 Jahre
< 144 mmol/l
< 48 mmol/l
Umrechnung / Faktor
[µmol/L] × 1.703 = [µg/dL]
[µg/dL] × 0.587 = [µmol/L]

Zusatzinformationen

Analysenbeschreibung
Chemische Formel: NH3
Molekulargewicht: 17 Dalton
Ammoniak ist eine Base. Unterhalb von pH 9 liegt er als Ammoniumion NH4+ vor.
Der Serumspiegel ist vor allem abhängig von der Resorption von Ammoniak aus dem Darm (bakterielle Zersetzung von Nahrungsproteinen, gastrointestinale Blutungen), von der Proteinabbaurate und von der Fähigkeit der Leber Ammoniak zu metabolisieren (akutes oder chronisches Leberversagen) und von der Niere, Ammoniak zu synthetisieren und auszuscheiden. Ferner steigt Ammoniak auch an bei gewissen genetischen Aminosäurestoffwechselerkrankungen, wie die Hyperlysinämie, die Hypercitrullinämie und beim Hyperammonämiesyndrom, bei dem die Umwandlung von Ammoniak zu Harnstoff gehemmt ist. In den letzten Fällen werden schon im Säuglingsalter Erbrechen, Bewusstseinstrübungen, Entwicklungsrückstand und geistige Retardierung festgestellt.
Ammoniak ist ein Zellgift, das vor allem eine zentralnervöse Wirkung hat. Hohe Konzentrationen führen zum Praekoma oder Lebekoma.

Der Organismus kann Ammoniak auf mehreren Wegen entgiften:

  • Der grösste Teil des Ammoniaks wird in der Leber im Harnstoffzyklus in den wenig toxischen Harnstoff umgewandelt und grösstenteils durch die Niere ausgeschieden.
  • Die Niere sezerniert Ammoniumionen tubulär, vor allem bei einer Azidose.
  • Eine weitere ammoniakverbrauchende Reaktion ist die Synthese der Aminosäure Glutamat: die Umsetzung mit 2-Oxoglutarat zur Aminosäure Glutamat. Diese physiologische Reaktion wird als Analysereaktion im Labor verwendet.
  • Ferner kann Glutamat ein weiteres Ammoniumion aufnehmen und (reversibel) in sein Säureamid Glutamin umgewandelt werden. Glutamin ist eine nicht toxische Speicher- und Transportform, in der Ammoniak zwischen Geweben verschoben wird, beispielsweise vom Gewebe, das Aminosäuren abbaut zur Leber, welche es (wie oben beschrieben) in harnpflichtigen Harnstoff umwandelt.