Analysen­verzeichnis

Cholinesterase

Stamminformationen

Analysenname
Cholinesterase
Indikation
Voroperatives Screening auf atypische Cholinesterasen mit verminderter Aktivität, Verdacht auf Vergiftung mit Pestiziden, Synthesemarker für Lebererkrankungen
Suchbegriffe
(P)CHE, Pseudocholinesterase, Cholinesterase II, unspezifische Cholinesterase, Butyrylcholinesterase, EC 3.1.1.8

Präanalytik

Material
Plasma Lithium-Heparin, Monovette grün, 4.9ml
Bemerkungen

Patientenvorbereitung

Patient vorzugsweise nüchtern, Blutentnahme am liegenden Patienten nach 10 Minuten Ruhe (Entnahme in aufrechter Körperhaltung ergibt bis zu 10 % höheren Wert)

Probeentnahme

Vene maximal 2 Minuten stauen

Mindestvolumen
2 ml
Haltbarkeit / Lagerung
6h bei RT, 7d bei 2-8 °C, 1 Jahr bei -20 °C
Bemerkung Nachbestellung
7d
Medium
BildBezeichnungVolumenSAP NummerVerwendung
Li-Heparin Monovette mit Gel4.9 ml308176Allgemein

Ausführung

Institut / Labor
Auftragsformular
Klinische Chemie / Autoimmunität
Rubrik
Enzyme

Analytik

Methode
Farbtest, Methode nach Knedel und Böttger, Messung bei 37 °C [Cobas 8000]
Analysenfrequenz
Mo - Fr
Referenzbereich
Referenzbereiche sind methodenabhängig. Massgebend sind die Angaben auf den Resultatformularen.

Messungenauigkeit < 2%.

Material
Alter
Referenzbereich
Li-Heparin-Plasma
Frauen ab 40 Jahren
Männer
Kinder
5'320 – 12'920 U/l
Frauen 16 - 39 Jahre
(nicht schwanger, keine Östrogenhaltigen Kontrazeptiva)
4'260 – 11'250 U/l

Störfaktoren: Citrat- und Fluoridplasma, Gammopathie, insbesondere vom Typ IgM (Waldenström-Makroglobulinämie)

Das Versetzen von menschlichen Proben mit dem künstlichen Spikematerial Intralipid führt zu falsch niedrigen Ergebnissen.
Umrechnung / Faktor
[U/L] × 0.0167 = [µkat/L]
[U/L] × 16.67 = [nkat/L]
[µkat/L] × 60 = [U/L]
[nkat/L] × 0.06 = [U/L]

Zusatzinformationen

Analysenbeschreibung
Es gibt zwei verschiedene Cholinesterasen im Organismus:
  • eine "spezifische" Cholinesterase, (Cholinesterase I, EC 3.1.1.7) kommt in den cholinergen Synapsen u.a. der motorischen Endplatten vor, wird aber nicht ins Plasma abgegeben. Sie hat die Aufgabe, Acetylcholin im synaptischen Spalt rasch abzubauen und damit die Reizübertragung zeitlich zu begrenzen.
  • Die unspezifische Cholinesterase (Pseudocholinesterase, PCHE, Cholinesterase II, Butyryl- cholinesterase, EC 3.1.1.8 ) wird in der Leber synthetisiert, kommt aber auch im Pankreas und im Myokard vor. Die unspezifische Cholinesterase wird ins Plasma freigesetzt, wobei die Konzentration die Syntheseleistung der Leber wiederspiegelt. Als Substrat dienen viele verschiedene Cholinester, welche im Blut zirkulieren, u.a. auch Acetylcholin. Es gibt 10 verschiedene Genotypen mit verminderter oder erhöhter Aktivität. Die PCHE spaltet u. a. Succinylcholin, das bei Operationen als Muskelrelaxans eingesetzt wird. Bei Personen mit verminderter PCHE-Aktivität können Narkosezwischenfälle auftreten. Beide Cholinesterasen werden durch Pestizide vom Phosphorsäureester- und Carbamattyp gehemmt.

Die Bestimmung im CZL erfasst nur die Pseudocholinesterase.

Die CHE-Aktivität kann erniedrigt sein bei Lebererkrankungen (verminderte Synthese), bei Lungenembolie, Herzinfarkt, maligne Erkrankungen, Krankheiten des Magen-Darm-Traktes (Colitis ulzerosa, M.Crohn), bei Traumata und nach Operationen und während der Radiotherapie. Bei all diesen Erkrankungen ist in erster Linie die Syntheserate in der Leber vermindert. Zur Evaluation der Leberfunktion ist Präalbumin wegen seiner kurzen Halbwertszeit von 2 Tagen besser geeignet. Die Halbwertszeit von CHE in vivo beträgt 10 Tage.

Bei 1/2000-3000 Patienten kann Succinylcholin, das bei Operationen für eine kurzdauernde Muskelrelaxation verwendet wird, zu einer gefährlichen Apnoe führen. Bei diesen Patienten liegt eine genetische Variante der Acetylcholinesterase vor, welche Succinylcholin zu langsam abbaut. Die Indentifikation dieser Mutationen (homozygot EaEa oder AA, EfEf oder FF, oder heterozygot) erfolgt mittels Dibucaine-Zahl.