Analysen­verzeichnis

Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin)

Stamminformationen

Analysenname
Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin)
Indikation
Verdacht auf Phäochromocytom (siehe Blaubuch Medizin KSL, 8.1.9), Verdacht auf Neuroblastom
Suchbegriffe
Catecholamine differenziert, biogene Amine, Adrenalin: engl. Epinephrin, Noradrenalin: engl. Norepinephrin

Präanalytik

Material
24h-Urin mit Salzsäure;ev. Spontanurin ohne Zusatz (Muss im Labor angesäuert werden!)
Bemerkungen

Material

Nicht möglich aus 24h-Urin ohne Säurezusatz.

Patientenvorbereitung

Absetzen folgender Medikamente: Adelphan, Aldomet, Arterenol, Dopamin, Isoprenalin, Isuprel, Novadral
Stressituationen vermeiden, 24 Stunden vor und während der Abholung keinen Kaffee, Tee, Schokolade, Banane, Walnüsse, Mandeln, Ananas, Aubergine, Kiwi, Avocado, Pflaume, Tomate und Alkohol.

Probeentnahme

Salzsäure vor Beginn der Sammlung in den Behälter geben, 24h-Urin sammeln in Sammelbehälter, Menge notieren (auf Auftragsformular und Probenröhrchen)

Mindestvolumen
3 Urinmonovetten
Haltbarkeit / Lagerung
4-8 °C 2 Tage, -20° C 4 Wochen
Bemerkung Nachbestellung
nicht möglich
Medium
BildBezeichnungVolumenSAP NummerVerwendung
UriSet 24h mit Salzsäure3000 ml389213Allgemein

Ausführung

Institut / Labor
Labor
CHUV Laboratoire Central de Chimie Clinique
Auftragsformular
Urin / andere Materialien / Med. / Drogen
Rubrik
Endokrinologie

Analytik

Methode
LC-MS/MS Massenspektrometrie
Analysenfrequenz
einmal pro Woche (Mittwochnachmittag)
Referenzbereich
Referenzbereiche sind methodenabhängig. Massgebend sind die Angaben auf den Resultatformularen.
Material
Alter
Referenzbereich
Urin
Erwachsene
Adrenalin
<120
nmol/d


Noradrenalin
<500
nmol/d


Dopamin
< 2600
nmol/d
Umrechnung / Faktor
Adrenalin
[nmol/d] × 0.183 = [µg/24h]
[µg/24h] × 5.46 = [nmol/d]
Noradrenalin
[nmol/d] × 0.169 = [µg/24h]
[µg/24h] × 5.91 = [nmol/d]
Dopamin
[nmol/d] × 0.153 = [µg/24h]
[µg/24h] × 6.54 = [nmol/d]

Zusatzinformationen

Analysenbeschreibung
Mit der Bestimmung der "Katecholamine differenziert" erfassen wir die drei Substanzen Adrenalin,
Noradrenalin und Dopamin. Wir bestimmen sie meist als Tumormarker.

Die Hormone Adrenalin und Noradrenalin werden im Nebennierenmark gebildet. Noradrenalin und Dopamin werden auch im Gehirn und in den Nervenendigungen des sympathischen Nervensystems freigesetzt, sie sind Neurotransmitter des vegetativen Nervensystems. Zwei seltene Tumoren zeichnen sich durch eine Überproduktion von Katecholaminen aus: das Phäochromozyom bildet Adrenalin und/oder Noradrenalin; das Neuroblastom, das fast nur bei Kindern vorkommt, setzt vor allem Dopamin frei.

Die Biosynthese der Katecholamine geht von Phenylalanin aus und führt über mehrere Stufen
unter Mitwirkung verschiedener Enzyme zu Adrenalin:


Die Katecholamine werden teilweise konjugiert, und zwar vorwiegend mit Sulfat in den
Positionen 3 und 4 des Katecholrings. Sulfokonjugierte Katecholamine binden nicht an die Rezeptoren
und sind somit unwirksam; biologisch aktiv sind nur die unkonjugierten (freien) Katecholamine.

Im Plasma überwiegen die konjugierten Moleküle. Verschiedene Einflussgrössen wie Stress und
körperliche Bewegung erhöhen den Anteil der freien Katecholamine. Im Urin kommen ebenfalls
freie und konjugierte Formen vor. Hier liegt das Gleichgewicht eher auf Seiten der freien Katecholamine,
und diese werden bei der Analyse erfasst.

Abbau: Adrenalin und Noradrenalin werden über die Zwischenstufen Metanephrin und Normetanephrin
zu Vanillinmandelsäure (4-Hydroxy-3-methoxy- mandelsäure) abgebaut. Der Metabolit des Dopamins
ist die Homovanillinsäure. Bei der Metabolisierung spielen zwei Enzyme eine Rolle:
die Monoaminoxidase (MAO) und die Catechol-O-Methyltransferase (COMT). Verschiedene Medikamente beeinflussen diese Enzyme: siehe Interferenzen bei der Vanillinmandelsäure und der Homovanillinsäure.



Zur Präanalytik: Ohne Zusatz sind Katecholamine im Urin nur begrenzt haltbar. Die einfachste Methode, sie zu konservieren, besteht im Ansäuern des Urins mit Salzsäure. Für die Bestimmung der
Katecholamine und der Vanillinmandelsäure erübrigt sich eine Diät, da der Einfluss dopaminhaltiger
Früchte mehreren Studien zufolge nur gering ist.

Literatur
Darstellungen in Klinik, Biochemie: Arndt, Torsten. (2019). Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik. Band 2, 3. Aufl., Springer, Heidelberg.
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