Analysen­verzeichnis

Lactat

Stamminformationen

Analysenname
Lactat
Indikation
metabolische Azidose, Kreislaufschock, Gefässverschlüsse
Sepsis, Erkennung fetaler Notsituationen während der Geburt
Intoxikationen mit Alkohol oder Medikamenten, Verdacht auf angeborene Stoffwechselstörungen (Defekte des Zitronensäurecyclus und der Atmungskette, des Glycogenabbaus, der Gluconeogenese)
Suchbegriffe
Laktat, Milchsäure, engl. lactate, lactic acid

Präanalytik

Material
Blutgasspritze
Bemerkungen

Patientenvorbereitung

wenn möglich 30' keine körperliche Betätigung vor der Blutentnahme, diese sollte ungestaut zur Vermeidung von Hämolyse und iatrogenem Lactatanstieg erfolgen.

Mindestvolumen
1 Pico-Spritze
Bemerkung Nachbestellung
nur möglich wenn Blutgas bestimmt wurde
Medium
BildBezeichnungVolumenSAP NummerVerwendung
Blutgasspritze safePICO A0.7 ml357152Allgemein

Ausführung

Institut / Labor
Auftragsformular
Klinische Chemie / Autoimmunität
Rubrik
Blutgasanalyse

Analytik

Methode
direkte Potentiometrie mit ionenselektiver Elektrode [Blutgasgerät ABL 825]
Analysenfrequenz
Mo - Fr
Referenzbereich
Referenzbereiche gelten für Plasma.
Alter
Referenzbereich
Erwachsene arteriell
0.5 - 1.6 mmol/l
Erwachsene venös
0.5 - 2.2 mmol/l
Umrechnung / Faktor
[mmol/L] × 9.008 = [mg/dL]
[mg/dL] × 0.111 = [mmol/L]

Zusatzinformationen

AnalysenbeschreibungChemische Strukturen:
Lactat ist die dissoziierte Form der Milchsäure, Pyruvat diejenige der Brenztraubensäure. Bei physiologischen pH-Werten liegen beide Säuren dissoziiert vor.

CH3 - CHOH - COOH  ¬¾¾¾¾¾¾¾¾¾®    CH3 - CHOH - COO- + H+
Milchsäure                                                   Lactat
CH3 - CO - COOH    ¬¾¾¾¾¾¾¾¾¾®    CH3 - CO - COO- + H+
  Brenztraubensäure                                          Pyruvat
Der Abbau der Glucose über Pyruvat zum Lactat (anaerobe Glycolyse) ist ein entwicklungsgeschichtlich alter Stoffwechselweg. Er kommt in allen bekannten Zellen vor und benötigt weder Sauerstoff noch Mitochondrien. Er ist im Zytosol lokalisiert; pro Molekül Glucose werden 2 Moleküle Lactat und 2 ATP gebildet.

Lactat entsteht auch bei Proteinabbau: aus den Aminosäuren Alanin, Serin, Glycin, Cystein und Tryptophan entsteht Pyruvat, das zu Lactat reduziert werden kann.

Lactat ist im Gleichgewicht mit Pyruvat

Lactatdehydrogenase

Lactat + NAD+  ¬¾¾¾¾¾¾¾¾®  Pyruvat + NADH + H+  

Lactat wird im Stoffwechsel nicht direkt weiterverarbeitet, sondern muss erst mit NAD+ zu Pyruvat oxidiert werden. Die "Drehscheibe" ist Pyruvat; es kann:
  • unter aeroben Verhältnissen in die Mitochondrien eingeschleust und unter Sauerstoffverbrauch im Zitronensäurecyclus und der Atmungskette zu CO2 und H2O abgebaut werden
  • zu Alanin transaminiert werden und in die Proteinsynthese eingehen
  • als Ausgangsmaterial für die Gluconeogenese in der Leber dienen

Erhöhte Lactatspiegel entstehen, wenn:
  • ungewöhnlich viel Lactat anfällt: bei erhöhter Muskelarbeit, bei epileptischen Anfällen, bei Infusion von Lactat oder Glucose
  • die Weiterverarbeitung blockiert ist, weil Sauerstoff oder NAD+ fehlt oder ein für die weitere Metabolisierung des Pyruvats nötiges Enzym vermindert ist, sowie bei Minderperfusion von Geweben.
    Beispiele: Myokardinfarkt, Kreislaufzusammenbruch, Ischämie, Schock, Sepsis, aber auch bei Intoxikationen, Vitamin B2-Mangel und bei einigen genetisch bedingten Stoffwechselstörungen.

Genau genommen entsteht beim Glucoseabbau nicht Lactat, sondern Milchsäure: pro Lactat fällt auch ein H+ an. Wenn diese Protonen die Pufferkapazität des Blutes übersteigt, ergibt sich eine Azidose, die sog. Lactazidose.
Links zu Analysen