Analysen­verzeichnis

Porphyrine differenziert = gesamt Porphyrine

Stamminformationen

Analysenname
Porphyrine differenziert = gesamt Porphyrine
Indikation
Verdacht auf akute Porphyrie, Verdacht auf Porphyria cutanea tarda, Verdacht auf kongenitale erythropoetische Porphyrie (Günther'sche Porphyrie) [extrem selten]
Suchbegriffe
Koproporphirin, Uroporphirin, Porphyrie

Präanalytik

Material
Spontanurin ;Lichtgeschützt!!!
Bemerkungen

Material

In Ausnahmefällen aus 24-h Urin möglich..

Mindestvolumen
5 ml
Haltbarkeit / Lagerung
1 Woche bei 4-8 °C, länger gefrieren.
Bemerkung Nachbestellung
nicht möglich
Medium
BildBezeichnungVolumenSAP NummerVerwendung
Urin Monovette NFT nativ8.5 ml389210Allgemein
Urin Monovette NFT nativ10 ml389211Allgemein
Urinbecher NFT100 ml389208Allgemein

Ausführung

Institut / Labor
Labor
Stadtspital Triemli Zentrallabor
Auftragsformular
Urin / andere Materialien / Med. / Drogen
Rubrik
Porphyrinanalysen

Analytik

Methode
HPLC
Analysenfrequenz
2 x pro Woche
Referenzbereich
Referenzbereiche sind methodenabhängig. Massgebend sind die Angaben auf den Resultatformularen.

Zusatzinformationen

AnalysenbeschreibungBiochemie

Delta-Aminolävulinsäure, Porphobilinogen und die Porphyrine sind Vorläufer des Häms. Jeder Schritt der Hämbiosynthese wird durch ein spezifisches Enzym katalysiert. Die Porphyrinsynthese wird durch eine negative Rückkopplung kontrolliert: das Endprodukt Häm hemmt die Delta-Aminolävulinsäure-Synthetase (ALS-Synthase), welche die Bildung der Delta-Aminolävulinsäure aus Glycin und Succinyl-CoA katalysiert.

Porphyrien sind angeborene Störungen der Hämsynthese. Es gibt verschiedene Porphyrieformen; jede Form wird durch den Mangel eines bestimmten Enzyms verursacht. Die Folge ist, dass zu wenig Häm gebildet wird. Dadurch entfällt die Hemmung der Delta-Aminolävulinsäure-Synthetase: es werden grosse Mengen von Porphyrinvorläufern und Porphyrinen gebildet, die man im Urin und im Stuhl und (bei der erythropoetischen Protoporphyrie) in den Erythrozyten nachweisen kann.

Eine Übersicht über die Biosynthese, die Enzymdefekte und die Porphyrieformen gibt die untenstehende Abbildung:


Hepta-, Hexa- und Pentacarboxyporphyrin (in der Abbildung als 7-, 6-, 5-COOH bezeichnet) sind Zwischenstufen bei der Umwandlung von Uro- in Koproporphyrin. Sie sind beim Gesunden nicht nachweisbar.

Neben den angeborenen Störungen gibt es auch erworbene Defekte der Hämbiosynthese. Blei hemmt die Aktivität der Delta-Aminolävulinsäure-Dehydratase, der Koproporphyrinogen-Oxidase und der Ferrochelatase. Die Symptome der Bleivergiftung gleichen denen einer akuten Porphyrie.


Unspezifisch erhöhte Ausscheidung von Koproporphyrin: Bei erworbenen Leberschädigungen verschiedener Genese (Zirrhose, Hepatitis, Alkoholmissbrauch) kann man eine erhöhte Ausscheidung von Koproporphyrin im Urin messen, ohne dass eine Porphyrie vorliegt.

Ausscheidungsmuster der Porphyrine und Porphyrinvorläufer bei verschiedenen Porphyrieformen:

  • normal: Delta-Aminolävulinsäure < 35 µmol/d, Porphobilinogen < 16 µmol/d, Uroporphyrin < 35 nmol/d, Koproporphyrin < 280 nmol/d, Hepta-, Hexa- und Pentacarboxyporphyrin nicht nachweisbar
  • akute Porphyrien:
  • -
    akut-intermittierende Porphyrie: Porphobilinogen und Delta-Aminolävulinsäure vermehrt, Uro-und Koproporphyrin vermehrt, Hepta-, Hexa- und Pentacarboxyporphyrin nachweisbar,
    Bestätigung: Bestimmung der Urosynthetase-Aktivität (Prof. E. Minder, Triemlispital Zürich)
    -
    Porphyria variegata: Gleiche Laborbefunde im Urin wie bei der akut-intermittierenden Porphyrie,
    Differenzialdiagnose und Bestätigung: Bestimmung der Stuhlporphyrine (Prof. E. Minder, Triemlispital Zürich)
    -
    hereditäre Koproporphyrie: Porphobilinogen und Delta-Aminolävulinsäure vermehrt, vor allem Koproporphyrin vermehrt, Uroporphyrin, Hepta-, Hexa- und Pentacarboxyporphyrin nachweisbar, Bestätigung: Bestimmung der Stuhlporphyrine (Prof. E. Minder, Triemlispital Zürich)
  • Porphyria cutanea tarda: Uroporphyrin und Heptacarboxyporphyrin stark vermehrt, Hexa- und Pentacarboxyporphyrin nachweisbar, Koproporphyrin vermehrt oder normal, Porphobilinogen und Delta-Aminolävulinsäure normal
  • erythropoetische Protoporphyrie: Protoporphyrin in Erythrozyten erhöht, Urinbefunde meist normal
  • kongenitale erythropoetische Porphyrie (Günther'sche Porphyrie): Porphyrin-Isomere der I-Serie überwiegen bei weitem, Uroporphyrin I massiv vermehrt, Hepta-, Hexa-, Pentacarboxyporphyrin und Koproporphyrin vermehrt, Porphobilinogen und Delta-Aminolävulinsäure normal
  • Bleivergiftung: Porphobilinogen normal, Delta-Aminolävulinsäure erhöht, Protoporphyrin in Erythrozyten mässig erhöht
  • unspezifische Erhöhung des Koproporphyrins: bei Leberschäden verschiedener Genese

Klinik
Porphyriker zeigen entweder Hautsymptome oder neurologische Symptome oder beide zugleich.
  • Hautsymptome:
  • -
    akute Photodermatose (sehr schmerzhaft]: erythropoetische Protoporphyrie
    -
    erhöhte Fragilität der Haut mit Blasenbildung: Porphyria cutanea tarda, Porphyria variegata, hereditäre Koproporphyrie
    -
    schwere Photomutilationen nach Lichtexposition: kongenitale erythropoetische Porphyrie (M. Günther)
  • neurologische Symptome:
    Abdominalkoliken, Obstipation, Erbrechen, in schweren Fällen Lähmungen, Bewusstseinsstörungen, Epilepsie: akut-intermittierende Porphyrie, Porphyria variegata, hereditäre Koproporphyrie, Bleivergiftung