Analysen­verzeichnis

Gesamtprotein

Stamminformationen

Analysenname
Gesamtprotein
Indikation
Klassierung nach Schweregrad einer Proteinurie, Verlaufskontrolle einer Proteinurie, Verdacht auf freie Leichtketten (Bence-Jones-Proteine), Teststreifen positiv
Suchbegriffe
Total Protein, Eiweiss gesamt

Präanalytik

Material
Spontanurin ohne Zusatz [Urinmonovette gelb] oder 24h-Urin ohne Zusatz
Bemerkungen

Patientenvorbereitung

Urinausscheidung tageszeitabhängig

Probeentnahme

Spontanurin: 2. Morgenurin bevorzugt
24h-Urin: sammeln in Sammelbehälter, Menge notieren (auf Auftragsformular und Probenröhrchen)

Mindestvolumen
1 Urinmonovette
Haltbarkeit / Lagerung
Urin 1 Woche bei 4 - 8 °C
Bemerkung Nachbestellung
7 d
Medium
BildBezeichnungVolumenSAP NummerVerwendung
Urin Monovette NFT nativ8.5 ml389210Allgemein
Urin Monovette NFT nativ10 ml389211Allgemein
Urinbecher NFT100 ml389208Allgemein
Urinsammelflasche NFT3000 ml389209Allgemein

Ausführung

Institut / Labor
Auftragsformular
Urin / andere Materialien / Med. / Drogen;Laborauftrag Sursee / Wolhusen

Analytik

Methode
turbidimetrische Endpunkt-Bestimmung mit Benzethoniumchlorid [Cobas 8000]
Analysenfrequenz
Mo - Fr
Referenzbereich
Referenzbereiche sind methodenabhängig. Massgebend sind die Angaben auf den Resultatformularen.

Messungenauigkeit < 3%.

Alter
Material
Referenzbereich
Erwachsen
Urin spontan
< 150 mg/l
Urin 24 Std.
< 140 mg/24h

Störfaktoren: Levopoda, Methyldopa und Na2-Cefoxitin führen zu falsch hohen Resultate, Calciumdobesilat führt zu falsch niedrigen Resultate.
Proben mit > 8 g/l organisch gebundenem Jod aus Konstrastmittel (z.B: Hexabrix) können falsch hohe Ergebnisse zeigen.
Bei Patienten mit der seltenen Erbkrankheit Alkaptonurie können im Urin hohe Konzentrationen von Homogentisinsäure vorhanden sein, in Konzentrationen von > 0.6mmol/l können diese zu falschen Ergebnissen führen.
Verabreichung von Plasmaersatzmitteln auf Gelatinebasis kann zu erhöhten Werten führen
Bei einer Interferenz mit Phenazopyridin kann es zu falsch tiefen Werten kommen.
 
In sehr seltenen Fällen kann eine Gammopathie, insbesondere vom Typ IgM (Waldenström-Makroglobulinämie), zu unzuverlässigen Ergebnissen führen.
Umrechnung / Faktor
[g/L] × 0.1 = [g/dL]
[g/dL] × 10.0 = [g/L]

Zusatzinformationen

Analysenbeschreibung
Die glomeruläre Basalmembran wirkt als Molekularsieb, das normalerweise Substanzen mit einem Molekulargewicht bis maximal 70' 000 Dalton wenigstens teilweise passieren lässt. Viele kleine Proteine werden an der Brush-Border von den Tubulusepithelzellen abgebaut und die Aminosäuren ins Blut abgegeben. Grosse Proteine werden pinozytiert und lysosomal abgebaut. Im Urin eines Gesunden findet man nicht mehr als etwa 0.1 g Protein pro Liter.

Bei einer Proteinurie stellt sich die Frage nach den Ursachen und dem Sitz der Störung. Art und Menge der ausgeschiedenen Proteine lassen Rückschlüsse zu.

Renale Ursachen

  • selektive glomeruläre Proteinurie: vermehrte Durchlässigkeit der Basalmembran für Proteine bis ca.
    70' 000 Dalton. Die kleineren Proteinen werden vom proximalen Tubulusepithel reabsorbiert und finden sich deshalb nicht im Urin.
    Marker: Albumin, Transferrin
  • unselektive glomeruläre Proteinurie: Durchlässigkeit der Basalmembran für grössere Proteine
    (bis > 150' 000 Dalton)
    Marker: IgG
  • Störungen der tubulären Rückresorption: die Rückresorption der kleinen Proteinen ist mangelhaft, sie finden sich im Urin
    Marker: a1-Mikroglobulin, b2-Mikroglobulin, Retinolbindendes Protein, b-N-Acetylglucosaminidase
    (b-NAG)
  • Mischproteinurie: Ausscheidung glomerulärer und tubulärer Marker

Extrarenale Ursachen
  • prärenal: vermehrte Synthese oder Freisetzung niedermolekularer Proteine, z. B. freie Leichtketten (Bence-Jones-Proteine), Hämoglobin, Myoglobin
    Marker: normales U-Albumin bei erhöhtem U-Gesamtprotein
  • postrenal: Blutungen im Harntrakt, Harnwegsinfekte
    Marker: a2-Makroglobulin, Apolipoprotein A

Als weiterführende Labortests kommen die Urinelektrophorese, die Immunfixation und die Proteindifferenzierung im Urin in Frage. Letztere wird u. a. im Kantonsspital Basel durchgeführt und erlaubt eine Unterscheidung zwischen glomerulären und tubulären Markern.
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